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Der ultimative WFOE Guide – erfolgreiche Unternehmensgründung in China

UPDATE (Stand: 05/2018)

Der folgende Artikel erläutert alles Wissenswerte rund um die erfolgreiche Unternehmensgründung einer “Wholly Foreign-Owned Enterprise” (WFOE/WOFE) in China: Die möglichen Strukturen einer WFOE, Vor- und Nachteile, Verfahren der Gründung, steuerliche Aspekte, häufig begangene Fehler während der Gründung und wichtige Faktoren, welche vor einer Gründung zu beachten sind.

Eine WFOE ist eine begrenzt haftende Unternehmung welche zu 100% aus ausländischem Kapital besteht. Diese Form der Unternehmensgründung im chinesischen Markt wird häufig von Firmen zum Markteintritt verwendet, welche in China ein Produkt vor Ort produzieren oder Dienstleistungen anbieten.

Mögliche Strukturen einer WFOE

Neben der Wahl zwischen einem Vertriebsbüro, einer Zusammenarbeit mit einem lokalen Partnerschaftsunternehmen und der Gründung eines Joint Ventures, ist die Gründung einer WFOE die am Häufigsten verwendete Struktur ausländischer Unternehmen während eines Markteintritts in das Reich der Mitte.

Aufgrund verschiedener Regeln und Vorschriften, abhängig des Ortes der Firmengründung, in welcher sich diese niederlässt, kann einer WFOE keine landesweit gleiche Definition zugeordnet werden. Es ist daher zwingend notwendig, sich zusätzlich zu den geltenden nationalen Gesetzen auch mit den lokalen Vorschriften und Interpretationen dieser Gesetze vertraut zu machen. Grundsätzlich können WFOEs jedoch in drei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt werden:

  • Manufacturing WFOE: Zutreffend im Falle einer geplanten Produktionsstätte in China.
  • Consulting WFOE: Dienstleistungen wie z.B. Beratungstätigkeiten.
  • Trading WFOE (auch oft als Foreign Invested Commercial Enterprise (FICE) bezeichnet): Zutreffend auf ein Unternehmen, welches hauptsächlich Produkte verkauft, diese aber nicht selbst herstellt. Weitere Aktivitäten dieser Unternehmen können ebenfalls sein: Franchising, Einzel- und Großhandelsaktivitäten etc.

Vorteile einer WFOE

  • Während der strategischen Planung der Unternehmung in China muss auf keinen chinesischen Partner Rücksicht genommen werden – die WFOE ist daher vollständig unabhängig und kann selbstständig im chinesischen Markt agieren.
  • Rechnungen können in lokaler Währung (RMB) ausgestellt und empfangen werden.
  • Umrechnung der Gewinne von RMB in US Dollar – Ausführung in das Land des Firmensitzes möglich.
  • Schutz des intellektuellen Eigentums und der technologischen Vermögens unter chinesischem Recht gewährleistet.
  • Volle Kontrolle des gesamten Personalwesens unter Beachtung lokaler arbeitsrechtlicher Vorschriften.
  • Bestandsvoraussetzung von zwei Jahren für Mutterunternehmen/Investor besteht nicht mehr – dies gibt auch jungen Unternehmen (Start-Ups) die Möglichkeit, durch eine WFOE Gründung in China aktiv zu werden.
  • Im Falle der Eigenproduktion in China – keine Verpflichtung zur Beschaffung einer Import-/Exportlizenz der produzierten Produkte.
  • Kauf-/Verkauf von Immobilien möglich.

Nachteile einer WFOE

  • Langwieriger und komplexer Gründungsprozess.
  • Kapitaleinlage – Minimum des einzusetzenden Startkapitals variiert zwischen Branche, in den chinesischen Wirtschaftszentren wie Shanghai, Peking oder Shenzhen ist aber mindestens mit ca. USD 90.000 zu rechnen (Stand: 05/2018).
  • Restriktionen – Limitierte Möglichkeiten staatlicher Zuschüsse.
  • Steuern – Voll steuerpflichtig.

Besteuerung einer WFOE

  • Unternehmenssteuer: 15 – 25% (abhängig des Unternehmensstandorts und der Branche)
  • Einkommenssteuer: bis zu 35% der Unternehmensgewinne
  • Personensteuer: 3 – 45%
  • Verbrauchssteuer: 1 – 56% des Verkaufsumsatzes
  • Steuer auf Grundstückszuschreibungen: 30 – 60%
  • Ressourcensteuer: 1 – 20%

Quellensteuer

  • Umsatzsteuer: 17%/13% für spezifische Lebensmittel
  • Dividendensteuer: 20%
  • Zinssteuer: 20%
  • Sozialversicherungssteuer: 20%
  • Immobiliensteuer: 12% eines möglichen Mietertrags

Die wichtigsten Schritte zur Gründung einer WFOE – UPDATE (Stand: 05/2018)

Beachtung der Kapitalvoraussetzungen

  • Das von INS empfohlene Startkapital einer Consulting WFOE liegt bei 1.000.000 RMB (ca. 130.000 €) um eine problemlose Registrierung bei den Behörden zu garantieren.
  • Bei der Gründung einer Trading bzw. Manufacturing WFOE sollte ebenfalls eine Kapitaleinlage von mindestens 1.000.000 RMB (ca. 130.000 €) vorgelegt werden.
  • Das Startkapital einer Food & Beverage WFOE (z.B. Restauranteröffnung) liegt zwischen 300.000 RMB und 500.000 RMB (40.000 € – 70.000 €).

Einhaltung des vorgeschriebenen Registrierungsprozesses

Für die Einreichung aller nötigen Dokumente bei den örtlichen Behörden und die damit verbundene Erlangung aller Erlaubnisse und Lizenzen muss ein örtliches Unternehmen als sogenannter Sponsor auftreten. Dieser Prozess kann  in einen Pre-Licensing und einen Past-Licensing Ablauf eingeteilt werden. Folgende Dokumente sind währenddessen zu beschaffen und vorzulegen:

Pre-Licensing

  • Registrierung einer offiziellen Firmenadresse
  • Registrierung des Firmennamens
  • Einreichen aller benötigten Dokumente bei den zuständigen Behörden.
    • der Gründungsurkunde der Muttergesellschaft
    • des Gesellschaftervertrag
    • Reisepass und Unterschrift des Investors (Geschäftsführer der Muttergesellschaft)
    • Bankstatement des Investoren
    • Mietvertrag eines Bürostandortes in China
  • Zustimmung der SMCC (Shanghai Municipal Commission of Commerce)
  • Beschaffung der Geschäftslizenz

Post-Licensing

  • Erstellung des offiziellen Firmenstempels
  • Eröffnung eines chinesischen Bankkontos
  • Registrierung bei zuständigen Steuerbehörden (u.a. für Steuerrückerstattungslizenz) und Erhalten des Steuerzertifikats
  • Registrierung bei örtlicher Behörde für öffentliche Sicherheit

Um eine Verzögerung während des Gründungsvorgangs zu vermeiden, sollten alle Dokumente vollständig und fehlerfrei eingereicht werden.

Vermeidbare Fehler während der Gründung einer WFOE

  • Die Gründung einer WFOE ist zeitaufwändig und unterliegt vieler bürokratischer Kleinigkeiten – der Zeitrahmen sollte daher großzügig geplant werden.
  • Einzureichende Dokumente bedürfen einer fehlerfreien Rechtschreibung und einer klar verständlichen Ausdrucksweise – Korrekturen kostet Zeit und Geld.
  • Wahl des strategisch wichtigen Standorts der Unternehmung – nachträgliche Änderungen sind teuer und zeitaufwändig.
  • Frühzeitige Registrierung der Patente und des geistigen Eigentums bei den zuständigen Behörden in China – Registrierungen in anderen Ländern bieten keinen Schutz im chinesischen Markt.

Was zusätzlich zu beachten ist

Eine Vertretung europäischer Firmen in China ist aufgrund des anhaltenden Wachstums und dem steigenden Interesse chinesischer Konsumenten an europäischen Produkten gefragter denn je. Trotz der Verdreifachung der Personalkosten in China während der letzten fünfzehn Jahre, gelten diese im internationale Vergleich weiterhin als günstig. Bevor allerdings die endgültige Entscheidung zu einem Markteintritt nach China gefällt werden kann, bedarf es neben der üblichen Due Diligence weiterer, genauerer Analysen, welche die Eigenheiten des chinesischen Marktes und dessen Konsumenten aufzeigt.

1. Wechselnde chinesische Vorschriften und Gesetze

Die Integration des internationalen Handels in die chinesische Kultur befindet sich noch in einem Anfangsstadium. Die chinesische Regierung ermutigt auch deshalb ausländischen Unternehmungen z.B. durch Lockerungen der Visaregelungen, zu einem Markteintritt in China, da sich dadurch die chinesischen Unternehmen langfristig die Geschäftspraktiken der ausländischen Unternehmen in China abschauen und davon profitieren können. Des Weiteren versucht die Regierung der Volksrepublik durch strikte Regelungen in allen Bereichen des Geschäftslebens im Land die Kontrolle zu wahren. Ausländische Unternehmen, welche einen Markteintritt nach China planen, sollten daher mit ständigen Änderungen im chinesischen Gesetz rechnen und bestmöglich versuchen, zukünftige Änderungen zu antizipieren. Da das chinesische Recht und die damit eingehenden Rahmenbedingungen einen großen Einfluss auf das Bestehen und das Wachstum der Unternehmung hat, sollte zu jederzeit ein chinesischer Beratungspartner zur Verfügung stehen.

2. Festigung der Unternehmung im chinesischen Markt

Vor allem die finanzielle Stärke der inländischen Unternehmen und das Vertrauen der chinesischen Konsumenten in diese Firmen erschweren den Erfolg im chinesischen Markt für ausländische Unternehmen zunehmend. Kann sich das Produkt ausreichend von allen Konkurrenten im Markt absetzen? Der chinesische Markt kann inzwischen als Schlachtfeld beschrieben werden, in welchem neben einheimischen auch unzählige ausländische Firmen mit allen Mitteln um einen Marktanteil kämpfen.

Zunehmende Schwierigkeiten und Herausforderungen während eines Markteintritts in China  haben in den USA zusätzlich zu einem Anstieg des nötigen Mindestkapitals einer WFOE  dazu geführt, dass die Anzahl der nach China expandierenden Unternehmen rückläufig ist. Laut Siva Yam, dem Präsidenten der USA-China Wirtschaftskammer mit Sitz in Chicago, haben viele amerikanische Unternehmen große Schwierigkeiten in China und was wiederum dazu führt, dass mehr und mehr Unternehmen wieder in die USA zurückkehren. Es ist daher unabdingbar für ein Unternehmen, neben einer genauen Analyse der Konkurrenz auch zu überprüfen, ob sich das eigene Produkt ausreichend im Markt absetzen kann.

3. Weitere Hindernisse im chinesischen Markt

Marketing Kanäle bedarfen in China besonderer Aufmerksamkeit. Da bekanntlich Webseiten wie Google, Facebook und Snapchat der nationalen Zensur unterliegen und für den Großteil der Chinesen nicht zugänglich sind, werden andere Wege wie z.B. Baidu, Alipay und Wechat benötigt, um den chinesischen Kunden durch aktives Online-Marketing zu erreichen.

2018-06-14T20:51:42+00:00 April 7th, 2017|

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