//Digitalisierung der chinesischen Wirtschaft

Digitalisierung der chinesischen Wirtschaft

In Sachen Digitalisierung ist China, vor allem aufgrund seiner enormen Marktgröße, weltweit auf einem rasanten Vormarsch und schließt mit führenden Industrienationen auf. Unternehmen und chinesische Regierungsbehörden sind bestrebt, die Digitalisierung in China aufgrund der anhaltenden Ineffizienzen in vielen Branchen voranzutreiben. Bereits 40% der weltweiten E-Commerce-Transaktionen werden im Land der Mitte getätigt.[1] In China werden außerdem 11-mal mehr mobile Zahlungstransaktionen durchgeführt, als in den USA.[2] Technologien wie mobiles Internet, Cloud-Computing, Big Data, das Internet der Dinge (IoT) und künstliche Intelligenz (AI) bringen Unternehmen in einer Vielzahl von Branchen wertvolle Effizienz und können in den kommenden Jahrzehnten weltweit führende Innovationen vorantreiben. Trotz anhaltender Ineffizienzen gelang es der Regierung in Peking, mit Hilfe des Fünf-Jahres-Plans die chinesische Wirtschaft rasch zu digitalisieren. Zu den am stärksten geförderten Branchen gehören heute Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), Medien und Finanzen. Laut einem McKinsey-Bericht von 2017 generieren chinesische Technologie-Giganten allein so viel Nachfrage nach Servern wie Brasilien und Südkorea zusammen. Die Weiterführung des Erfolges und das Vorantreiben der Digitalisierung ist daher eines der Hauptaugenmerke der Regierung.

Bedeutende Industrien

E-Commerce und Einzelhandel

Der elektronische Geschäftsverkehr ist dabei, diejenigen Branchen zu stören, in welchen weiterhin Informationsdefizite zwischen beteiligten Parteien bestehen. Alibaba hat es in den letzten Jahren branchenübergreifend geschafft, traditionelle Offline-Mittelsmänner zwischen den produzierenden und den verkaufenden Unternehmen auszuschalten und den Käufern einen Markt mit weit größerer Informationstransparenz geboten. Die daraus folgende Disintermediation im Einzelhandel bringt eine Umverteilung der Einnahmen von Offline-Händlern zu E-Commerce-Spielern mit sich, zum Vorteil von Alibaba. Der elektronische Handel hat es dem Einzelhandel daher ermöglicht, tiefer in  ländliche Regionen einzudringen als je zuvor. In diesen Gebieten mangelt es an erstklassigen Einkaufszentren, E-Commerce-Einzelhandelsgiganten wie JD und Taobao haben jedoch dank guter Internet- und Logistikanbindung in vielen chinesischen Dörfern treue Kunden gefunden.

Mobilität

Die Automobilindustrie hat sich durch die Einführung digitaler Technologien ebenfalls rasant verändert. Neben der steigenden Nachfrage nach Elektroautos ist vor allem die Nutzung von Mitfahrdiensten wie Didi Chuxing ist ein Paradebeispiel hierfür. Ride-Sharing-Dienste erhöhen die Kapitalrentabilität der Autobesitzer, welche sich für die Sharing Economy entscheiden. Auf diese Weise wandelt die Digitalisierung den Automobilsektor von einem eigenverantwortlichen zu einem zunehmend dienstleistungsorientierten Wirtschaftssektor.

Logistik

Logistikkosten bleiben in China im Vergleich zu anderen Industrieländern hoch. Die Digitalisierung kann dazu beitragen, die Ineffizienzen  und die erhöhten Kosten zu mindern. Die Belt-and-Road-Initiative bietet China hierbei die Möglichkeit, neue Spitzentechnologie im Logistikbereich zu entwickeln und flächendeckend einzusetzen.

Ein Blick in die Zukunft

Das Ökosystem chinesischer Innovationen ist bereit, jenes Wachstum der digitalen Wirtschaft weiter voranzutreiben. In China gibt es eine lebhafte Bevölkerung mit wohlhabenden Investoren, eine Regierungsbürokratie, die einen Anreiz zur Förderung der Digitalisierung der Wirtschaft bietet, und einen enorm wachsenden Verbrauchermarkt.

Die Förderung der Digitalisierung wird China mit den damit verbundenen großen wirtschaftlichen Problemen konfrontieren. Die Digitalisierung in China schafft neue Gruppen von Gewinnern und Verlierern. Die Gewinner sind in der Regel sämtliche Technologie-Innovatoren (Tencent, Alibaba), die auf dem neuesten Stand der Digitalisierung sind, sowie etablierte Marktteilnehmer, die schnell neue Methoden anwenden und sich ebenfalls dazu bereit zeigen, Innovationen auf dem Verbrauchermarkt auszutesten. Die Verlierer finden sich jedoch in etablierten Marktteilnehmern, welche Ineffizienten, veralteten Methoden und Technologien verbunden bleiben. Diese Unternehmen können heute zwar finanziell gut ausgestattet sein, die langfristige Strategie ist ausschließlich kurzsichtig ausgelegt. Auch kleinere Unternehmen finden sich als Verlierer des digitalen Wandels in China wieder, da sich diese die Kapitalkosten zur Einführung digitaler Technologien nicht leisten können.

Eines der größten Risiken für die fortgesetzte digitale Transformation besteht darin, dass potenzielle Verlierer eine Interessengemeinschaft bilden und die Bürokratie beeinflussen werden, um eine fortgesetzte Digitalisierung in China zu verhindern. Interessenkonflikte könnten den Ängsten der Bürokratie entgegenwirken, sodass anhaltende Störungen zu politischer Instabilität führen, die auf Arbeitskämpfe und soziale Unruhen zurückzuführen sind. Eine aussagekräftige Fallstudie zu dieser Thematik findet sich im Beispiel von Taxifahrern auf der ganzen Welt, die durch Proteste Einfluss auf lokale Regierungen nehmen, um die Nutzung von Mitfahrdiensten zu verbieten oder zu beschränken. Die Veränderung durch diese Technologien ist im Vergleich zur kommenden durch selbstfahrende Fahrzeuge relativ gering. Arbeitergruppen von arbeitslosen und unzufriedenen Lastwagenfahrern, Auslieferungsarbeitern und Taxifahrern stellen eine sehr reale, aber potentiell beherrschbare Bedrohung für die politische Stabilität in China und anderswo dar.

Darüber hinaus bedeutet der Umverteilungsaspekt der Digitalisierung in China, dass er inhärent von einem Anstieg der Einkommensungleichheit geprägt sein wird. Wirtschaftliche Ungleichheit in einer Vielzahl von Dimensionen (von Land zu Stadt, von Ost nach West, von Reich zu Arm usw.) ist bereits ein Hauptanliegen für die soziale Stabilität in China. Die Digitalisierung könnte mehr Milliardär-Eigentümer von Technologie-Giganten schaffen (und einige Jobs der oberen Mittelschicht hinzufügen), sie könnte jedoch auch große Teile der Arbeiterklasse in die Arbeitslosigkeit befördern.

Aus diesen Gründen muss die nächste Welle der Digitalisierung in China durch Regulierungsbehörden gemildert werden, mit den zerstörerischen Kräften dieser Technologien fertig zu werden. Erschwerend kommt hinzu, dass eine wirksame Regulierung in diesen Bereichen die Regulierungsbehörden an die Grenzen der Reform bringen kann. Wirksame Regulierung wird wahrscheinlich von der chinesischen Regierung verlangen, die Rolle von Staat und Regierung in der Wirtschaft klar abzugrenzen. Fortgeschrittene Volkswirtschaften haben dieses Problem weitgehend gelöst, indem sie dem Staat die Rolle des Regulierers und des Marktes als Finanzierer, Unternehmer, Planer und Entscheidungsträger zugestanden haben. Die chinesische Regierung bewegte sich seit Jahrzehnten in diese Richtung, hat ihren Kurs jedoch umgekehrt und hat weiterhin eine schwere Hand in der Wirtschaft. Das kommende Jahrzehnt wird zeigen, wie China den Wandel der Digitalisierung mit der Rolle der Regierung in der Wirtschaft in Einklang bringt.

[1] Siehe https://www.mckinsey.com/featured-insights/china/digital-china-powering-the-economy-to-global-competitiveness

[2] Siehe https://www.weforum.org/agenda/2018/01/these-are-the-challenges-facing-chinas-digital-economy

2018-06-25T17:10:09+00:00 Juni 22nd, 2018|

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